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Blickwechsel - vom Schüler zum Lehrerassistenten

October 2, 2018

Am vergangenen Montag, den 24. September, ging es für mich in meiner Arbeitsstelle endlich los. An der Upper Basic School in Gunjur werde ich in den nächsten Monaten Lehrer in verschiedenen Fächern unterstützen und eventuell später auch selber einige Unterrichtseinheiten leiten.

Die Schule ist unweit des Ortszentrums und auch von meiner Gastfamilie innerhalb von 5 Minuten zu Fuß zu erreichen. In insgesamt 6 Gebäuden, davon fünf ebenerdig und eins doppelgeschossig, wird an dieser Schule unterrichtet. In den ebenerdigen Gebäuden sind abgesehen von einem Gebäude jeweils 4 Klassenräume untergebracht. Zwischen den Klassenräumen sind zudem noch kleine Lagerräume oder auch Lehrerzimmer. Es gibt mehrere davon, weil es kein großes Lehrerzimmer gibt. In einem Lehrerzimmer verbringen meist um die 5-6 Lehrer ihre Pause oder Freistunde.  


Zurzeit wird noch ein weiteres ebenerdiges Gebäude gebaut. In einem der vorhandenen ebenerdigen Gebäude gibt es einen PC-Raum, der technisch allerdings nicht mehr auf den neuesten Stand ist. In demselben Komplex ist auch das Büro des Schulleiters. Ein ziemlich kleines Büro, in dessen Vorraum die Lehrer für den Unterricht Sachen kopieren und recherchieren können. Dafür stehen ein PC und ein Kopierer zur Verfügung.

Außerdem bietet das großzügige Schulgebäude einen geräumigen Pausenhof mit Bolzplatz und vielen schattenspendenden Bäumen. Auch ein Brunnen ist in einer Ecke des Pausenhofs vorhanden. In den Pausen haben die Schüler die Möglichkeit, verschiedene Tapalapa als Pausensnack zu kaufen. Umrahmt ist das Gelände von einer vielfältig bemalten Mauer mit zwei Eingängen.

Am Montagmorgen bin ich pünktlich um 8 Uhr an der Schule erschienen. Dort hat mich der Schulleiter schon erwartet. Nach der Begrüßung hat er mich einem Lehrer zugeteilt, den ich fortan unterstützen werde. Jedoch musste ich noch ein wenig warten, bis es mit dem Unterricht los ging.

In den ersten beiden Schulstunden haben sich alle anwesenden Schüler vor dem Büro des Schulleiters versammelt. Nach einem muslimischen und christlichen Gebet für einen guten Schulstart wurde die gambische  Nationalhymne gesungen. Der Schulleiter hat dann alle neuen Lehrer und mich den Schülern vorgestellt. Jeder wurde mit einem Applaus empfangen. Anschließend hat der temperamentvolle Schulleiter eine lange, emotionale Ansprache an die Schüler gehalten. Er appellierte unter anderem an sie, die Lehrer zu respektieren, pünktlich und überhaupt zum Unterricht zu erscheinen. (Einige Schüler erschienen aus verschiedenen Gründen nur selten zum Unterricht) Außerdem verwies er auf das ordnungsgemäße Tragen der Schuluniform und darauf, dass die Schüler alle notwendigen Unterlagen für den Unterricht mitzubringen haben.  


Wer gegen die obengenannten Punkte verstöße, müsse mit Konsequenzen rechnen. Er hat in den darauf  folgenden Tagen vor Unterrichtsstart einige Schüler  vom Schulhof geschickt, die ihre Uniform nicht korrekt tragen. Diese durften erst dann zurückkehren, wenn die Uniform richtig sitzt. Auf die Uniform werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal näher eingehen.

Nach der Ansprache, die ansonsten immer nur eine Schulstunde dauert, hat der Unterricht begonnen. Eine Schulstunde dauert 35 Minuten. Am Tag haben die Schüler 8 Schulstunden. Zwischen der 5. und 6. Stunde gibt es eine 25-minütige Pause. Schulbeginn ist immer um 8.20 Uhr. Schulschluss für die Vormittagsgruppe ist um 13.25 Uhr. Kurz darauf startet der Unterricht für die Nachmittagsgruppe, die ich allerdings nicht begleite. Deren Unterricht geht bis halb sieben abends. Diese zwei Gruppen gibt es unter anderem aufgrund fehlender Raumkapazitäten. Für den Nachmittag kommen zum Teil andere Lehrer als vormittags.

Die Klassenräume sind, wie auf dem Bild zu sehen, sehr schlicht eingerichtet. Die altmodischen Sitzgelegenheiten und Tische sind nicht sehr bequem und manchmal auch etwas zu klein für die Schüler.  


Den Lehrer, den ich begleite, unterrichtet ein Fach namens SES. Das ist eine Mischung aus Geschichte, Erdkunde und Sozialwissenschaften. Zurzeit unterrichtet er vormittags ausschließlich im 9. Jahrgang. In diesem gibt es 6 Klassen, die in der Woche 4 Schulstunden SES haben.

In der ersten Klasse angekommen hat er den Schülern die 19 Themen des Schuljahres kurz vorgestellt und hat danach direkt mit dem ersten Thema begonnen. Geographie, Lage und Größe des Staates Gambia war das Thema. Dazu hat er einen Text aus dem Schulbuch an die Tafel geschrieben, den die Schüler abschreiben mussten. Für die Schüler sind nicht ausreichend Bücher vorhanden, daher müssen sie sich das Wissen auf diesem Wege aneignen.

Als alle mit dem Übertragen des Textes fertig waren, hat der Lehrer mit den Schülern ein Unterrichtsgespräch begonnen und ihnen die Lage Gambias auf einem Globus und einer politischen Karte Afrikas gezeigt (oder von den Schülern zeigen lassen). Für eine richtige Antwort eines Schülers gab es von der ganzen Klasse einen kurzen Applaus. 


Für mich gibt es bis jetzt noch keine spezielle Aufgabe. Ich bin praktisch in der Rolle eines Refrendars, sitze am Ende des Raumes, mache mir Notizen über den Unterricht und unterstütze den Lehrer bei Gelegenheit. Zum Beispiel habe ich schon eine große Karte mit der Lage Gambias gezeichnet, auf der die wichtigsten Zuflüsse des Flusses Gambia und einige Inseln mit eingezeichnet sind.

 

 Wie oben erwähnt, ist es angedacht, dass ich in Laufe der Zeit auch mal selbst unterrichte.  

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