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Fajara - besonders und (fast) wie ein Ausflug nach Europa


Heute berichte ich euch nach langer Zeit mal wieder etwas im Blog. Leider war ich in den letzten Wochen nicht dazu gekommen. Vor zwei Wochen und ebenso zweimal zuvor haben wir Fajara besucht. Es liegt unweit des Atlantiks im Senegambia Gebiet und ist offiziell ein Teil von Bakau. Als ich  das erste Mal in Fajara zu Besuch war, war es für mich wie ein Besuch in einer anderen Welt im Vergleich zu Gunjur. Bürgersteige, Ampeln, Straßenbeleuchtung, mehrstöckige Häuser, viele moderne und großzügige Gebäude, geteerte Straßen, Verkehrschaos und und und. All dies habe ich hier in den Monaten zuvor in diesem Zusammenspiel nicht gesehen.

Ein Bild, das Fajara und auch das nahegelegene Westfield prägt. Viel Verkehr, Straßenbeleuchtung etc. 

Im ersten Moment musste ich an das Erscheinungsbild einer spanischen Touristenstadt an der Costa Blanco denken, denn es ähnelte sich alles ein wenig. Touristen sind hier schließlich zurhauf unterwegs. Unser erster Besuch Ende November führte uns unter anderem in das Attaya Café gegenüber der amerikanischen Botschaft. Dort fand wie jeden letzten Freitag im Monat eine offene Bühne für Poetry Slam statt. Omar Cham, in Gambia auch als Poet "Champion" bekannt, hatte uns eingeladen. Mit ihm hatte ich bereits vor meinem Aufenthalt in Gambia Kontakt. Er ist Organisator dieser Veranstaltung und einer der bekanntesten Poetry Slammer im Land. Im Voraus kann sich jeder anmelden, um einen Text zu performe. Ich war überrascht, wie viele sich dafür angemeldet hatten. Es war 11 Poeten, die ihre Texte im Laufe des Abends vortrugen sollten. Als wir  am Attaya Café ankamen, war es bereits gut gefüllt und sollte zum Start bis auf den letzten Platz gefüllt sein. An sich hat das amerikanisch geprägte Café ein gemütliches Ambiente und sowohl europäische als auch gambische Snacks und Getränke auf der Karte. Ich war besonders auf die Themen und die Art der Texte gespannt, denn ich hatte trotz des Kontakts zu Champion wenig Vorstellung von Poetry Slam in Gambia. 

Während des Poetry Slam im Attaya Café. 

Die Veranstaltung startete - wie bei den meisten anderen Veranstaltungen auch - mit der Nationalhymne. Unter großem Jubel wurde dann der erste Poetry Slammer auf die Bühne gebeten. Wie bei allen anderen Poeten war sein Text nahezu komplett in Englisch. Es ging zumeist um gesellschaftliche und politische Themen wie z.b. die Lernmoral der Schüler und Studierenden in Gambia, der Umgang von Eltern mit ihren Kindern, die Rolle der Frau in der gambischen Gesellschaft etc. Auch bei der Art des Vortrags gab es eine große Spanne. Mal war es ein sehr humorvoller Text, mal ein gereimter Text, mal sehr nachdenklich. Alles dabei, was das Poetry-Slam-Herz begehrt. Auch ein Poet aus Tschechien war Teil des Abends. Höhepunkt war aber der Text von Champion, der gleichzeitig auch als Gastgeber des Abends fungierte. Er beschäftigte sich mit der Unabhängigkeit Gambias. Als die offene Bühne vorbei war, kamen wir ziemlich schnell mit den EU-Botschafter für Gambia ins Gespräch. Ein Ungar, der ebenfalls unter den Zuhörern  war und beeindruckt ist, dass es Freiwillige gibt, die für einen solangen Zeitraum von 10 Monaten in Gambia tätig sind. Am nächsten Tag haben wir zusammen mit Ousman, Freiwilligenkoordinator bei VolNet, kurz seine normale Arbeitsstelle in Fajara besucht, in der gerade letzte Vorbereitungen für einen Filmpreis am gleichen Abend vorbereitet wurden. Er arbeitet als Kameramann. Als wir weitergingen, war ich mehr und mehr überrascht, welche Art der Architektur es in Fajara gibt. Sehr modern für gambische Verhältnisse. Fast unwirklich, wenn man in den Monaten zuvor von Gunjur und Brikama geprägt wurde. 

Gebaut wird immer und überall. So auch in Fajara. 

In diesem Gebäude hat sich eine Modefirma niedergelassen. 

Ebenso war ich überrascht, dass es einen Friedhof für gefallene Soldaten im 2. Weltkrieg gibt. Gambia war zwar kein Kriegsschauplatz, jedoch wurden Soldaten für Großbritannien rekrutiert und der Hafen von Bathurst (heute Banjul) wurde mit Artillerie gesichert, da er ein wichtiger Hafen für die Verteilung britischer Soldaten in den Rest der Welt war.  

Bei meinem Besuch Ende November habe ich natürlich noch nicht alles gesehen, was Fajara zu bieten hat. Es gilt gemeinhin als Diplomatenviertel, da die Mehrzahl der Botschaften und Konsulate hier verortet sind. Auch das Hotel, in dem Staatsgäste, wie zum Beispiel Bundespräsident Steinmeier im Dezember 2017 und Prinz Charles im Dezember 2018, untergebracht sind, ist in unmittelbarer Nähe. Als ich im Februar erneut in Fajara war, habe ich Dort auch einen gut sortierten Supermarkt ausfindig machen können. Es war das erste Mal, dass ich in Gambia Zeitschriften, Haribo und eine Tafel Schokolade kaufen konnte. Dass letzteres in den eigentlich ebenfalls gut bestückten Supermärkten in Gunjur oder Brikama nicht verfügbar ist, hat mich überrascht. Im Vergleich zu den Supermärkten dort ist der Supermarkt etwas teuer, was an der Lage liegen dürfte. Dafür gibt es bei vielen Produkten eine größere Auswahl dort. Oft find sich britische Marken in den Regalen aber ebenso in Deutschland bekannte Marken wie Nutella und Fisherman Friend. Den Besuch im Februar haben wir dazu genutzt, um erneut den Poetry Slam zu besuchen. Es war wieder sehr toll und erhellend. Beim nächsten Mal werde ich vielleicht auch einen Text vortragen. Nach der Veranstaltung wurden wir von einer Poetry Slammer zu einem Theaterstück in das ebunjan theatre in der darauf folgenden Woche eingeladen. Sie spielt dort in dem gambischen Theaterstück "The Kora - mystical strings of the Gambia" mit. Es wurde 2012 zum ersten Mal aufgeführt und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Janet Badjan- Young. Von der Story her ähnelt es sich vielleicht ein bisschen mit Goethes "Faust". 

Ein Mann verliebt sich in eine Frau und gleichzeitig in die Klänge eines gambischen Musikinstrumentes namens Kora. Dieses ähnelt einer Ukulele oder Gitarre. Eine solche Kora besitzt der Mann aber nicht. Es erscheint eine Gruppe von weiß gekleideten Geistern und bietet ihm eine Kora an. Im Gegenzug muss die Frau, in die er verliebt ist und die er kurz zuvor geheiratet hat, Teil der Geistergruppe werden. Der Mann gerät in einen Zwiespalt und muss sich für eines entscheiden. Letztlich entscheidet er sich für die Kora. Ein sehr gut umgesetztes Theaterstück mit viel Dramatik und vor allem schöner gambischer Musik. 

Auf dem Oberrang über der Bühne wurde ebenfalls Theater gespielt. 

Das Theatergebäude des ebunjan theatre ist Teil der Universität und besticht durch ihre Größe und Architektur. Als Besonders empfand ich die große Kuppel und den kreisförmig Oberrang, welcher zum Teil währen des Theaterstücks als Bühne genutzt wurde. In dem Theater waren in der Vergangenheit schon bekannte Stücke wie zum Beispiel Hamlet (Gastspiel des Globe Theaters), Twelfth Night und gambische Theaterstücke aufgeführt. Zuletzt war ich in Gambias vermutlich einzigen großen Buchladen, dem Timbookto Bookshop. Dieser liegt ebenfalls in Fajara. In diesem gut sortierten Buchladen gibt es vielfältige englisch und französischsprachige Literatur auf zwei Etagen. Von der Einrichtung ist es mit einem großen und gutem Buchladen in Deutschland zu vergleichen. Es gibt neben gambischer sehr viel afrikanische und europäische Literatur zu allen Themen und Gattungen. Ebenso sind Schulbücher erhältlich. Die Preise sind in etwa dieselben wie in Europa. Jetzt habe ich euch ziemlich viele persönliche Eindrücke, die ich in Fajara gesammelt habe, geschildert. Es gibt sicherlich noch ein paar weitere Besonderheiten. Was sich aber festhalten lässt, ist, dass Fajara verhältnismäßig weit entwickelt ist und wie oben beschrieben für mich eine europäischen Stadt mit vielen Touristen am Meer ähnelt. Kann aber auch nur ein Eindruck sein... 

Als ich an einer Kreuzung des Atlantic Roads stand, ist mir dieses ungewöhnliche Bauwerk aufgefallen. Es soll wohl ein Wasserspiel sein... 


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