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Rückblick auf den Freiwilligendienst in Gambia

Am vergangenen Mittwoch (4. März) habe ich auf der Jahreshauptversammlung vom Heimat- und Geschichtsverein Schermbeck, wo ich im Vorstand als Beisitzer tätig bin, auf meinen zehnmonatigen Freiwilligendienst in Gambia zurückgeblickt. Ich hatte dazu eine Bildpräsentation vorbereitet. Diese habe ich hier unten zusammen mit einigen kurzen Erläuterungen angefügt.



MEINE EINSATZSTELLE AN DER UPPER BASIC SCHOOL

Ich war in Gunjur an der Upper Basic School tätig. Diese ist in dem Ort die einzige weiterführende Schule, an der rund 1200 Schülerinnen und Schüler in Vor- und Nachmittagsgruppen unterrichtet werden. In Gambia gilt bedingt durch die koloniale Vergangenheit das britische Schulsystem. Es sieht vor, dass die Schülerinnen und Schüler zunächst im Alter von vier bis sechs Jahren eine Vorschule besuchen, dann für sechs Schuljahre eine Primary School und von der siebten bis neunten Klasse schließlich eine Secondary School. Wahlweise kann nach drei weiteren Jahren das A-Level (vergleichbar mit dem deutschen Abitur) abgelegt werden.

In der Upper Basic School habe ich zusammen mit Mr. Sanyang in der neunten Jahrgangsstufe das Fach "Social and Environmental Studies" (kurz S.E.S) in fünf Klassen unterrichtet. Meine Aufgaben lagen darin, den Text der Stunde an die Tafel zu schreiben und häufig auch zu erklären. Ebenso haben wir zusammen Klausuren erstellt und benotet.

Die Schulwoche begann stets mit einer "Assembly", in der zunächst ein muslimisches und christliches Gebet vorgetragen wurde. Anschließend hat der Schulleiter eine Rede an die Schülerinnen und Schüler gerichtet. In jeder Klasse haben wir wöchentlich vier Schulstunden zu je 35 Minuten unterrichtet; meist in Doppelstunden.


TÄTIGKEIT AUF BENNA KUNDA (VOLNET GAMBIA)

An den meisten Freitagen und Wochenenden waren die weltwärts-Freiwilligen von VolNet auf dem Vereinsgelände Benna Kunda tätig. Dieses legt etwas außerhalb von Gunjur in dem Ortsteil Jujuba unweit der Atlantikküste. An Freitagen haben wir zusammen mit Mitgliedern von VoNet Gambia verschiedene Aktivitäten für Kinder und Jugendliche angeboten. Zum Beispiel haben wir angeschwemmtes Treibgut von der Atlantikküste aufgesammelt und daraus Kunstwerke gebastelt. Ebenso haben wir einen Sandburgenbauwettbewerb am Strand gemacht oder Basketball gespielt.

Zum Geburtstag des Vereins im März haben wir eine Anniversary gefeiert, zu der viele Leute gekommen sind.


GUNJUR

Gunjur liegt ca. 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Banjul direkt an der Atlantikküste und zählt zirka 30.000 Einwohner. Geprägt ist die neuntgrößte Ortschaft Gambias von der Fischerei. Im Fishing Village ist eine chinesische Fischverarbeitungsfirma angesiedelt.

Ein wichtiger kultureller Ort in Gunjur ist Kenye-Kenye Jamango, was übersetzt Sanddünen-Moschee bedeutet. Sie liegt, wie der Name es schon sagt, direkt am Strand des Atlantik und ist eine Pilgerstätte für Muslime.

Im Ortskern Gunjur sind neben etlichen Läden unter anderem auch die Schulen und zwei Internetcafés angesiedelt. Die Straßen Gunjurs sind abgesehen von den Hauptstraßen Richtung Kartong, Sanyang und Brikama nicht asphaltiert.


BRIKAMA

Mit dem Bustaxi benötigt man von Gunjur aus zirka 20 Minuten, um in die zweitgrößte Stadt Gambias, Brikama, zu kommen. In Brikama ist unter anderem die nächstgelegene Bank und Post angesiedelt. Es ist zudem Hauptverwaltungssitz der West Coast Region, zu der auch Gunjur gehört. Vom Bustaxiparkplatz starten zudem Bustaxen in alle Regionen des Landes.

Geprägt ist das Bild Brikamas durch den großen Markt, auf dem es nicht nur alle wichtigen Grundnahrungsmittel, sondern auch Stoffe, Kleidung, Handys und weitere Dinge verkauft, die für das tägliche Leben relevant sind. Etwas außerhalb liegt der Craft Market, auf dem meist selbstgemachte Holzarbeiten wie zum Beispiel Trommeln und Figuren verkauft werden. Ein Besuch des Craft Markets in Brikama ist häufig Bestandteil von begleiteten Touristenreisen durch Gambia.


WEIHNACHTEN

Für mich war Weihnachten in Gambia ein besonderer Moment. Wir hatten dazu eine andere deutsche Freiwillige im Nachbarort Sanyang besucht, die dort in einer christlichen Gastfamilie gewohnt hat.

An Heiligabend haben wir zusammen den abendlichen Gottesdienst in der kleinen Kirche dort besucht. Bedingt durch einen länger anhaltenden Stromausfall hatte dieser bei Kerzenschein stattgefunden, was eine besondere Atmosphäre erzeugt hat.

Am nächsten Tag haben wir erneut einen Gottesdienst besucht. Anschließend hat auf dem Compound der Gastfamilie der deutschen Freiwilligen eine Ceremony stattgefunden, zu der auch Christen aus der weiteren Umgebung gekommen sind.


NAMING CEREMONY

Was im Deutschen die Taufe ist, ist in Gambia die Naming Ceremony. Meist zirka zwei Wochen nach der Geburt des Kindes findet die Naming Ceremony mit Verwandten, Freunden und weiteren Leuten statt. Bei dieser wird für das Kjnd gebetet und es wird offiziell in die Gemeinschaft aufgenommen.

Naming Ceremonies beginnen meist mittags und dauern nicht selten bis in den späten Abend hinein. Dem besonderen Anlass entsprechend haben sch die Leute festlich gekliedet. Die Gäste werden während der Ceremony reichlich mit Getränken und Essen versorgt. So gibt es meist Wonjo (ein süßes, kaltes Getränk aus Hibiskusblüten) und Benachin (Reis mit viel Gemüse und Hähnchen).


Unterwegs in Gambia

In Gambia gibt es insgesamt zwei Weltkulturerbestätten. Zum einen ist dies Kunta Kinteh Island (früher James Island). Die Insel war in der Vergangenheit nicht nur der Schicksalsplatz für viele verschleppte Sklaven, die von hieraus nach Amerika verschifft wurden, sondern nach der Abschaffung des Sklavenhandels genau wie Fort Bullen eine Festung. Die Insel liegt im River Gambia ausgesprochen günstig, um ankommende Schiffe bereits aus weiter Entfernung zu sichten. Auch wurden hier zahlreiche Schiffe mit Sklaven von den Briten abgefangen.

In der Vergangenheit war die Insel wegen ihrer guten strategischen Lage ein begehrtes Objekt. Nachdem die Portugiesen die Insel zuerst im 16. Jahrhundert eroberten, fiel sie im 17. Jahrhundert in die Hände des brandenburgischen Herzogs Jacob Kettler. Seine Hoheit über die Insel, die 1651 begann, fand 1658 ihr Ende, nachdem er in Gefangenschaft geriet. Danach war die Insel umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer.

Die andere Weltkulturerbestätte sind die Steinkreise von Wassu. Sie liegen am anderen Ende Gambias und somit rund 300 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Banjul. Vermutlich dienten die Steinkreise als Grabstätten für Herrscher und wurden im 8. Jahrhundert von einer Magalithkultur gebaut. Die genaue Funktion der Steinkreise sind bis heute nicht erforscht.

Die Überquerung des Flusses Gambia ist an den meisten Stellen nur mit der Fähre möglich und bedeuten daher häufig einige Wartezeit. Seit Anfang 2019 gibt es mit der Senegambia Bridge nahe Bamba Tenda am Transgambia Highway eine Brücke über den Fluss. Die Überquerung ist allerdings mautpflichtig und nur 12 Stunden am Tag möglich.


Einmal im Monat findet im Attaya Café in Fajara ein Poetry Slam statt, zu der sich jeder anmelden kann. Viele Poetry Slammer beschäftigten sich dort mit der politischen Lage und dem sozialen Zusammenleben. Durch seine Lage im Diplomatenviertel zieht der Poetry Slam auch europäische Gäste an. Wir haben bei dem Poetry Slam zum Beispiel den europäischen Botschafter in Gambia getroffen.



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